JUNGEN
Auch Jungen werden Opfer sexualisierter Gewalt
Dass auch Jungen Opfer sexueller Gewalt werden können, war lange nicht
hinreichend bekannt. Heute bekommt dieses Thema mehr Aufmerksamkeit. Dies ist
auch aus dem Grunde wichtig, weil Jungen und männliche Jugendliche sich
besonders schwer damit tun, sich als Opfer zu offenbaren.
Gerade betroffene Jungen
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haben Angst, schwul zu sein oder als schwul zu gelten, da die meisten Täter
auch hier männliche Jugendliche oder Männer sind. Häufig wird unter Jungen das
Wort schwul als Schimpfwort und zu massiver Abwertung benutzt.
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meinen, sie tragen die Verantwortung für die Tat(en). Sie seien also selbst
schuld, weil sie sich nicht ausreichend gewehrt hätten.
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haben die Vorstellung, dass sie in Beratungsstellen auf Menschen treffen, die
von ihnen verlangen, dass sie ihr Innerstes nach außen kehren. Sie haben Angst,
dadurch wehrlos und schwach zu wirken.
Wodurch fallen betroffene Jungen auf?
Die meisten Jungen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, fallen zunächst nicht
auf. Viele werden still und ziehen sich zurück. Doch dieses Signal wird meist
nicht verstanden.
Jungen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, werden häufig nur dann
beachtet, wenn sie massiv aggressiv werden oder durch Übergriffe Aufmerksamkeit
wecken (Mädchen an die Brust / an die Genitalien greifen, Jungen an die Hoden
fassen, Mädchen oder schwächere Jungen vergewaltigen).
Manche Jungen arbeiten also erlebte sexuelle Gewalt auf (der Fachbegriff dafür
ist Reinszenierung), indem sie in die Täterrolle schlüpfen. Dieser Fall tritt
allerdings nicht zwangsläufig ein. Sind die auffälligen Jungen aber noch sehr
jung, liegt die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie Erlebtes auf diesem Weg
verarbeiten.
Jungen müssen in diesem Fall unbedingt Hilfe erhalten. Dies heißt nicht, dass
man ihre Taten entschuldigt oder bagatellisiert. Die Grenzen sind dort klar zu
ziehen, wo Jungen deutlich "Täterverhalten" zeigen.