Bild: Pfeil nach unten WENN IHR KIND MISSBRAUCHT WURDE Wie wirkt sich sexuelle Gewalt aus?

Sexuellen Missbrauch erleben Mädchen und Jungen als extremes, überflutendes Ereignis, dem sie nicht ausweichen können. Fachleute sprechen hier von einem Trauma, einer seelischen Verletzung. Es ist mit Gefühlen der Angst, der Erregung, Hilflosigkeit und eventuell auch mit heftigen körperlichen Schmerzen verbunden.

Die akute Missbrauchssituation wird von Mädchen und Jungen wie ein sich ständig wiederholender Unfall erlebt, an den sie sich oftmals überhaupt nicht mehr oder nur bruchstückhaft erinnern können. Manchmal bleibt die Erinnerung auch für immer verschüttet. Den Kindern fehlt jede Abwehrmöglichkeit. Sie wissen nicht, was sie tun sollen und können das Geschehen nicht einordnen. Kinder können sexuelle Gewalterfahrungen nicht allein verarbeiten.

Spezielle Symptome für den sexuellen Missbrauch gibt es nicht. Häufig leiden die betroffenen Kinder unter einer Reihe psychosomatischer Beschwerden, Ängsten und starken Stimmungsschwankungen. Von einem Augenblick auf den anderen sind sie ohne ersichtlichen Grund traurig, ängstlich, wütend oder schämen sich. Weitere Folgeerscheinungen können zum Beispiel Ein- und Durchschlafprobleme, chronische Erschöpfung, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche sein.

Andere Kinder wiederum zeigen weder kurz- noch langfristig Folgeerscheinungen, was aber nicht heißt, dass später eintretende Störungen völlig ausgeschlossen sind.

Wie kann betroffenen Kindern geholfen werden?
Entscheidend für Kinder ist, dass ihnen geglaubt wird, dass sie geschützt werden und Hilfe bei der Bewältigung des Erlebten erfahren. Untersuchungen zeigen, dass eine Reihe von schützenden Einflüssen die schädigende Wirkung belastender Lebensereignisse abschwächen oder ausgleichen kann. Dazu gehören unter anderem zärtliche, emotional zugewandte Eltern oder Bezugspersonen, stabile soziale Kontakte sowie fachliche Beratung beziehungsweise Therapie nach traumatischen Erlebnissen.

Einige Hinweise, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können:

  • Glauben Sie ihrem Kind, wenn es von sexuellen Übergriffen erzählt.
  • Versichern Sie Ihrem Kind, dass es keine Schuld hat und niemand so etwas mit ihm machen darf.
  • Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass es über das Erlebte sprechen darf, aber drängen Sie es nicht und fragen Sie es nicht aus.
  • Machen Sie dem Kind keine Vorwürfe, dass es nicht sofort vom Missbrauch erzählt hat.
  • Loben Sie Ihr Kind, wenn es vom Missbrauch erzählt.
  • Rechnen Sie damit, dass Sie die Täterin oder den Täter kennen, stellen Sie ihn aber nicht als Erstes zur Rede – sie oder er wird ohnehin erst einmal alles abstreiten oder in ein anderes Licht rücken.
  • Überlegen Sie gemeinsam mit ihrem Kind erste Schritte (beispielsweise "Du musst da nicht mehr hin, wir suchen einen neuen Klavierlehrer.")
  • Holen Sie sich Rat von Fachleuten; gehen Sie gemeinsam mit ihrem Kind zu einer Beratungsstelle.
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